Vorgestellt von Carolyn Beasley
Auf ihrem Weg die Gitterstufen hinunter machen zwei Schwimmer kurz halt, um ihre Flossen anzuziehen. Licht fällt durch die Lücken in dem gewaltigen Holzsteg über ihnen, aber ihre Aufmerksamkeit richtet sich auf das, was unter ihnen liegt. Als sie in das beschattete Wasser springen, wird der Umriss einer drei Meter hohen Stahlkuppel sichtbar. Sie tauchen hinab, um sich die Skulptur eines Taucherhelms anzusehen, die von wogenden Algen und feinen Korallen besiedelt ist, während in ihrem Inneren ein Schwarm Hulafische tanzt.
Der Taucherhelm ist eine von 13 neuen Unterwasserskulpturen in Busselton (Undalup). Der Mitte 2023 installierte Underwater Sculpture and Artificial Reef Trail befindet sich unter dem Busselton Jetty. Die von einheimischen Künstlern geschaffenen, vom Ozean inspirierten Skulpturen sollen dazu beitragen, den Lebensraum im Meer zu schützen.
Besucher können einen Tauch- und Schnorchelpass erwerben (Erwachsene AUD$4, Kinder kostenlos) und die Unterwasserkunstwerke auf eigene Faust erkunden oder an einem geführten Schnorchel- oder Tauchgang mit Swan Dive teilnehmen.
Der 1,8 Kilometer lange Busselton Jetty ist der längste Holzpfahlsteg der südlichen Hemisphäre. Heute dient er nur noch der Erholung. Einst jedoch stellte er eine wichtige Handelsverbindung für die lokale Holz- und Kohleindustrie sowie für die Landwirtschaft dar.
Busselton Jetty, Busselton
Der erste Steg wurde 1865 fertiggestellt, aber das seichte Wasser der Geographe Bay machte zahlreiche Erweiterungen erforderlich. 1978 wurde der Steg durch einen Zyklon teilweise zerstört, konnte aber dank Spendenaktionen und einer überwältigenden öffentlichen Unterstützung schließlich von der Stadt Busselton wieder aufgebaut werden.
Heute wird der Steg von der Busselton Jetty Inc. betrieben. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Eintrittskarten fließen in die Instandhaltung und kommen der Busselton Jetty Environment Foundation zugute.
Besucher, die lieber trocken bleiben möchten, können den Steg über Wasser erkunden. Unternehmen Sie einen 3,6 Kilometer langen Spaziergang bis zum Ende und wieder zurück oder fahren Sie mit dem kleinen, liebevoll gestalteten solarbetriebenen Zug, in dem Sie mehr über die Geschichte des lokalen Volks der Wadandi sowie über die Geschichte Europas erfahren.
Am äußersten Ende des Stegs befindet sich acht Meter unter der Wasseroberfläche das Underwater Observatory, das ein Fenster zur Geographe Bay ist. Ein Guide führt die Besucher durch das zylinderförmige Observatorium und erklärt die fantastischen Szenen hinter dem Glas. An den Pfeilern des Stegs hängen Weichkorallen, die in der Strömung schwimmen, und Schwämme, die in einem Kaleidoskop von Farben leuchten. Gelegentlich späht eine Robbe durch eine der Scheiben.
Underwater Observatory, Busselton Jetty
Sophie Teede, Umweltmanagerin des Busselton Jetty, hat die Entwicklung und Gestaltung des Unterwasserskulpturenpfads von Anfang an begleitet. Die Skulpturen sind so konzipiert, dass sie besiedelt werden können und gleichzeitig darauf aufmerksam machen, wie wichtig der Schutz der Meere ist.
„Ein wesentliches Ziel der Installation bestand darin, optisch ansprechende Skulpturen zu schaffen, um Besucher anzulocken, die sie zunächst als Kunst entdecken sollten“, erklärt Sophie. „Wir hoffen, dass diese Erfahrung die Besucher neugierig macht, sodass sie wiederkommen. Letztendlich möchten wir, dass die Menschen, die bei uns waren, gute Entscheidungen für die Umwelt und ihre eigenen Strände treffen.“
Eine der lokalen Künstlerinnen, die für das Projekt beauftragt wurden, ist Georgia Zoric. Ihr Kunstwerk „Postmaster“ ist von Andrew Stonehouse Thompson inspiriert, dem Postmeister und Zollbeamten von Busselton während des Zweiten Weltkriegs.
Die Skulptur „Postmaster“, Busselton Jetty
„Jeden zweiten Tag schwang er sich auf sein Fahrrad und fuhr zum Ende des Stegs, um die Post von den Schiffen entgegenzunehmen und den Zoll für alle ankommenden Schiffe zu kontrollieren“, erzählt Georgia.
Weitere Skulpturen sind eine Meerjungfrau, ein riesiger Stachelrochen und ein nachgebautes Dampfschiff. Die Kunstwerke bieten Verstecke für Meerestiere und werden von den Unterwasserbewohnern sehr gern angenommen.
„Innerhalb von drei Stunden, nachdem der Postmaster seinen Platz unter Wasser eingenommen hatte, ist ein Oktopus eingezogen und am nächsten Tag hat ein Riesentintenfisch die Skulptur als sein neues Domizil auserwählt“, so Georgia weiter. Der zehn Meter lange Südliche Glattwal ist zur Heimat von Tausenden von Klunzingers Beilbauchfischen geworden.
Normalerweise ist Georgia keine begeisterte Schwimmerin, aber für den Postmaster begibt sie sich gern ins Wasser.
„Sobald ich getaucht war, konnte ich seinen Bart und sein Gesicht sehen“, sagt Georgia. „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass sich die Korallen so schnell festsetzen würden und der Lebensraum so schnell wächst. Und auch nicht mit den Fischen, die dem Postmaster Gesellschaft leisten. Es war so schön, diese vielen Farben und verschiedenen Schichten zu sehen.“
Habitatbewuchs auf Skulpturen, Busselton Jetty
Nicht nur die Meeresbewohner lieben diese Skulpturen, auch Tausende von Menschen sind bereits zu den Kunstwerken hinabgetaucht. Für Georgia ist dies das aufregendste Projekt, an dem sie je mitgewirkt hat.
„Normalerweise schließt man eine Arbeit ab, und das war's“, sagt sie. „Aber hier erhält man fast täglich Feedback. Das Projekt hat mich wirklich viel stärker mit meiner Gemeinschaft verbunden. Sogar die Touristen schicken Fotos direkt an die Künstler.“
Letztendlich hofft sie, dass die Natur von dieser Begeisterung profitieren wird.
„Die Menschen sehen, wie schnell das Meer die Strukturen annimmt und dass sich innerhalb kürzester Zeit Leben auf ihnen ausbreitet“, erklärt Georgia. „Sie verstehen, welche Auswirkungen unser Handeln haben kann – im Guten wie im Schlechten. Und das ist ein großer Erfolg.“
Skulptur einer Meerjungfrau, Busselton Jetty
Veröffentlicht im März 2024.