Im südwestlichsten Zipfel des Kontinents thront das Cape Leeuwin Lighthouse auf einer Halbinsel und heißt die ankommenden Schiffe mit seinem Leuchtfeuer willkommen.
Ein Artikel von Carolyn Beasley
Wir schreiben das Jahr 1622: Die holländische Galeone Leeuwin durchquert - mit den Winden der Roaring Forties im Rücken - das Südpolarmeer. Endlich erreicht die Mannschaft die zerklüftete Küste Westaustraliens, jedoch viel weiter südlich als geplant. Völlig überraschend sind sie damit die ersten Europäer, die die südwestliche Ecke Australiens zu Gesicht bekommen. Sie taufen die Gegend „Leeuwin's Land“.
Im Jahr 1801 griff Matthew Flinders diesen Namen auf und gab der kargen Landzunge, die direkt auf die Antarktis zeigt, den Namen Kap Leeuwin. Heute bildet diese raue Landschaft die südlichste Spitze der Margaret River Region.
Auch wenn das Logbuch der Leeuwin seit langem verschollen ist, können sich die Abenteurer von heute sehr gut vorstellen, was die Seefahrer damals vorfanden. An der Schnittstelle von Südlichem und Indischem Ozean treffen dynamische Strömungen aufeinander, und der tobende Ozean verdeckt mit unberechenbaren Winden und starkem Wellengang die Sicht auf die vorgelagerten Inseln. Vielleicht erwischten die Seeleute damals aber auch einen ruhigen Tag und blickten auf türkisfarbenes Wasser und schimmernde Strände.
Neben dem Kap Hoorn und dem Kap der Guten Hoffnung ist das Kap Leeuwin eines der drei großen Kaps der Südhalbkugel. Um Seeleute vor dem Schiffbruch zu bewahren, wirft das Cape Leeuwin Lighthouse seit 1896 sein schützendes Licht auf die Klippen. Mit einer Höhe von 39 Metern ist er bis heute der höchste Leuchtturm auf dem australischen Festland.
2022 jährte sich die Entdeckung des Kaps durch die Besatzung der Leeuwin zum 400. Mal. Aus diesem Anlass wurde eine Feier in der nahegelegenen Stadt Augusta organisiert, zu der auch holländische Würdenträger eingeladen wurden.

Paul Sofilas, leitender Tourguide beim Cape Leeuwin Lighthouse
„Diese 400 Jahre seit der Entdeckung sind eigentlich nur ein kleiner Abschnitt einer viel größeren Geschichte“, sagt Paul. „Das Volk der Wadandi lebt hier schon seit Tausenden von Jahren.“ Am Cape Leeuwin wurde deshalb eine Gedenktafel in Niederländisch, Englisch und Wadandi enthüllt. Sie würdigt die Tatsache, dass die Wadandi-Ureinwohner seit 60.000 Jahren die traditionellen Hüter dieses Gebietes sind.
Da der Leuchtturm tagein, tagaus den stärksten Winden des Bundesstaates ausgesetzt ist, wurde irgendwann eine Sanierung notwendig. Im Jahr 2022 wurde er deshalb detailgetreu restauriert und kann nun wieder Gäste zu Führungen willkommen heißen. Erst einmal müssen die 176 Stufen des Kalkstein-Bauwerks erklommen werden, bevor es danach mit der Besichtigung der historischen Cottages weitergeht, die ein interaktives Museum und ein Café beherbergen.
Paul erzählt, dass während der Restauration Moos entfernt, Mörtel ersetzt sowie Metall- und Holzelemente restauriert wurden. Sogar ein Blasinstrument aus Messing, das vor 50 Jahren von der Spitze des Leuchtturms entfernt wurde, wurde wieder angebracht.
Die Bedeutung des Leuchtturms ist vor allem für Seeleute enorm. Kap Leeuwin war für diejenigen, die von Albany aus in den Krieg zogen oder als Matrosen auf Schiffen arbeiteten, das Letzte, was sie von Australien sahen, so Paul.
Er erinnert sich an einen Besucher, dessen Verwandter in den 1920er-Jahren auf einem Schiff anheuerte und seine Erinnerungen an Kap Leeuwin in seinem Tagebuch festgehalten hatte.
„Wenn man früher aus Europa oder Afrika kam, konnte man in der Hitze des Sommers schon den Eukalyptus auf dem Meer riechen – lange bevor man das Land sehen konnte“, erzählt Paul. „Dann versammelten sich alle an Deck und warteten darauf, dass der Leuchtturm bei Nacht oder das Kap bei Tag erschien.“
Der Leuchtturm ist nur eine von vielen fesselnden Sehenswürdigkeiten, die die Augusta Region Besuchern bietet. Von Mai bis August können Sie mit Legend Charters, All Sea Charters, Whale Watch Western Australia und Naturaliste Charters die Buckelwale und Südkaper beobachten, die sich in der Flinders Bay aufhalten. Darüber hinaus werden ganzjährig Touren durch die spektakulären Kalksteinhöhlen der Jewel Cave angeboten, dem größten unterirdischen Prunkstück des Bundesstaates. Auch die postkartenreife Hamelin Bay ist einen Besuch wert. Dort tummeln sich gutmütige Stachelrochen und warten auf die Fischabfälle der Fischer.

Das Cape Leeuwin Lighthouse in Margaret River (Foto: Holly Winkle)
Am Cape Leeuwin Lighthouse beginnt (oder endet) der Cape to Cape Track. Dieser 123 Kilometer lange Wanderweg zieht sich Richtung Norden durch die Margaret River Region bis zum Cape Naturaliste Lighthouse. Aber auch kürzere Pfade gibt es in Hülle oder Fülle, erzählt uns Paul.
Er empfiehlt den Wanderweg vom Leuchtturm zur Quarry Bay und zum Aussichtspunkt Skippy Rock, von dem aus sich im Winter und Frühjahr hervorragend die Wale beobachten lassen. Auch von der Anlegestelle in Augusta aus kann man eine wunderbare Wanderung unternehmen. Paul entdeckt dort häufig Pelikane, schwarze Schwäne und sogar Stachelrochen. „Fehlt eigentlich nur noch David Attenborough!“, scherzt Paul.
Auch mit dem Mountainbike ist Paul gerne unterwegs, insbesondere auf dem Weg, der vom Leuchtturm Richtung Golfplatz führt. „Man blickt nochmal zurück auf den Südlichen Ozean und plötzlich öffnet sich vor einem der ruhige, anmutige Karri-Wald“, beschreibt Paul. „Anschließend empfiehlt es sich, in Augusta in einem guten Café wie dem Two Seas Collective vorbeizuschauen.“
Zu guter Letzt gibt uns Paul den Tipp, den Blackwood River mit dem Kajak oder Stand-up-Paddleboard zu erkunden. Er sagt, dass der Fluss sogar im Winter sicher ist, und empfiehlt, nach neugierigen Delfinen Ausschau zu halten.
Und wo befindet sich der beste Aussichtspunkt in der Region? Natürlich oben auf der Aussichtsplattform des Leuchtturms, von wo aus Sie zwei unerbittliche Ozeane und die raue West- und Südküste Australiens überblicken können.
„Man hat wirklich das Gefühl, dass man sich auf dem äußersten Zipfel des Landes befindet. Nächster Halt Afrika oder Antarktis“, sagt Paul. „Da oben steht man in einer schönen, sicheren Umgebung. Doch in Wirklichkeit ist dies die Grenze zu einer ziemlich gefährlichen Gegend, dem unerbittlichen Ozean.“

Das Cape Leeuwin Lighthouse in Margaret River
Veröffentlicht im Dezember 2022.