Das Ningaloo Reef bietet eine Fülle von Erlebnissen mit Meeresbewohnern, und das immer zu den Bedingungen der Tiere.
Jenseits der Brandung am Ningaloo Reef staune ich über die Farbkontraste, das tiefe Blau, die korallenbesetzte türkisfarbene Lagune und das staubige Orange des Cape Range National Park. Mitten in meinen Tagträumen springt ein junger Buckelwal ins Blickfeld, der seinen ganzen Körper aus dem Wasser katapultiert und in einer eigenwilligen Pose wieder eintaucht.
Kleine Gruppen von Buckelwalen sind hier draußen buchstäblich allgegenwärtig. Einige springen aus dem Wasser, einige jagen sich gegenseitig und andere gleiten friedlich dahin und überraschen uns, wenn sie beim Atmen neben dem Boot Fontänen ausstoßen.
Ich nehme an einer Öko-Schnorcheltour von Kings Ningaloo Reef Tours teil und bin sehr aufgeregt. Heute werde ich vielleicht mit einem Wahlhai, einem Mantarochen oder sogar einem gewaltigen Buckelwal schwimmen.
Buckelwalsprung, die Korallenküste
Ein Juwel im Meer
Das Ningaloo Reef ist eine UNESCO-Welterbestätte und eines der größten Saumriffe der Welt, das sich über 300 Kilometer von den Muiron Islands bis Red Bluff erstreckt. Jedes Jahr kündigt das Massenlaichen der Korallen hier die Ankunft der wandernden Walhaie an, zahnloser Riesen, die sich ausschließlich von Plankton ernähren. Der Höhepunkt der Walhaisaison ist von März bis Juli, wobei Nachzügler manchmal auch außerhalb dieser Monate zu sehen sind.
Das Plankton lockt noch einen weiteren Ozeanriesen an, den Mantarochen. Diese harmlosen Rochen sind das ganze Jahr über in den Gewässern des Ningaloo Reef anzutreffen, insbesondere in der Nähe des kleinen Örtchens Coral Bay.
In den frühen 1990er Jahren nahm das Interesse am Schwimmen mit Walhaien und Mantarochen immer mehr zu. Heute sind die Interaktionen im Wasser mit diesen Arten am Ningaloo Reef ein Best-Practice-Modell für den Ökotourismus, bei dem das Wohl der Tiere an erster Stelle steht.
Boot mit Blick über das Ningaloo Reef
Die Straße der Buckelwale
Die planktonfressenden Fische sind nicht die einzigen Giganten hier. Jedes Jahr zwischen Juni und Oktober teilen sie sich den Ozean mit Tausenden von Buckelwalen. Die Wale wandern entlang der Korallenküste Australiens in die warmen Gewässer des Nordens, bevor sie in die Antarktis zurückkehren.
Nachdem ihre Zahl in den 1960er Jahren durch Jagd auf nur noch 1.000 Exemplare geschrumpft war, beträgt die Population der Buckelwale an der Westküste heute etwa 45.000 Tiere. Diese Population ist so gesund, dass sie nicht mehr als bedroht eingestuft ist.
Angesichts dieser bemerkenswerten Erholung hat das Department of Biodiversity, Conservation and Attractions (DBCA) von Westaustralien 2016 einen Versuch gestartet und es Reiseveranstaltern erlaubt, die bereits eine Genehmigung für das Schwimmen mit Walhaien am Ningaloo Reef besaßen, auch das Schwimmen mit Buckelwalen anzubieten. Genehmigungen für das Schwimmen mit Buckelwalen wurden jetzt an erfahrene Anbieter von Meereserlebnissen vergeben.
Von April bis Juli konzentrieren sich die Touren auf die Beobachtung von Walhaien. Aber im Übergangsmonat Juli und bis in den September oder Oktober hinein nimmt die Zahl der Walhaie ab und es gibt viele Buckelwale. Das bedeutet, dass abenteuerlustige Besucher die Möglichkeit haben, am Ningaloo Reef mit einem weiteren Meeresriesen zu schwimmen.
Sicherheit geht vor
Bevor man ins Wasser springt, ist es wichtig, sich mit den Regeln vertraut zu machen, die von der DBCA zum Schutz der Schwimmer und zur Vermeidung von Stress für die Meerestiere aufgestellt wurden.
Für Begegnungen mit Walhaien darf sich nur jeweils ein Schiff bis auf 250 Meter einem Walhai nähern. Die maximale Anzahl schwimmender Gäste ist auf jeweils 10 plus zwei Besatzungsmitglieder festgelegt. Die Schwimmer müssen einen Abstand von mindestens drei Metern vom Körper und von vier Metern vom Schwanz des Tieres einhalten. Es ist den Schwimmern nicht gestattet, sich vor dem Walhai aufzuhalten, beim Fotografieren Blitzlicht zu verwenden oder das Tier zu berühren. Mantarochen-Touren werden auf ähnlich behutsame Weise durchgeführt, wobei eine kleine Gruppe einem erfahrenen Guide folgt.
Buckelwale sind große, schwere Säugetiere, für die zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen gelten. Zunächst müssen die Veranstalter ein Aufklärungsflugzeug einsetzen, um die Wale zu beobachten. Schwimmen ist nicht erlaubt, wenn ein Muttertier ein Junges mit sich führt, das weniger als halb so groß wie sie ist, oder wenn die Wale gefährliches Verhalten wie Springen, Schwanzschlagen oder Kopfschlagen zeigen. Der Skipper muss die Wetterbedingungen und die Sichtverhältnisse unter Wasser genau im Auge behalten und berücksichtigen.
Nur sieben Schwimmer plus zwei Besatzungsmitglieder dürfen sich gleichzeitig mit Buckelwalen im Wasser aufhalten. Die Schwimmer dürfen sich einem Wal nur bis auf 30 Meter nähern. Wenn sich ein Wal nähert, müssen die Schwimmer versuchen, einen Abstand von mindestens 15 Metern einzuhalten.
Gina Broadbent, Besatzungsmitglied und Meeresbiologin, erklärt die Sicherheitsregeln.
„Es handelt sich um 40 Tonnen schwere Tiere. Die Personen müssen also in der Lage sein, 100 oder 200 Meter ohne Hilfe zu schwimmen, damit sie zurückweichen können, wenn sich ein Wal nähert“, sagt Gina. Diese Voraussetzung wird den Gästen bei der Buchung und auch bei der Einweisung an Bord mitgeteilt.
„Der Skipper prüft ständig die Bedingungen und das Verhalten der Wale. Zuerst gehen unsere Fotografen ins Wasser, um zu sehen, wie die Wale auf die Anwesenheit von Menschen reagieren“, so Gina weiter.
Obwohl Begegnungen mit Walen im Wasser nicht garantiert werden können, berichten die Veranstalter von einer Erfolgsquote von etwa 80 Prozent für Buckelwale im August und September.
„Bei Wildtieren gibt es keine Garantie, das ist die einzige Garantie!“ sagt Gina. Sie erzählt, dass bei so vielen verschiedenen Meerestieren, die am Ningaloo Reef leben, die Gäste manchmal andere Unterwasserbegegnungen haben, als erwartet.
„Aber das Ningaloo Reef ist immer eine tolles Erlebnis“, bestätigt Gina. „Ich liebe es, mit den Menschen hinauszufahren und ihnen das Riff und die Tiere zu zeigen. Für viele Menschen verändert dieses Abenteuer ihr Leben. Es ist etwas so Besonderes, dass ich es unbedingt mit ihnen teilen will.“
Schwimmen mit Buckelwalen, Korallenküste
Die Natur hat das Sagen
Ich stehe im Neoprenanzug auf der Plattform im hinteren Teil des Boots, trage Maske und Schnorchel und warte auf das Zeichen zum Sprung. Heute habe ich schon ein Dutzend Meeresschildkröten gesehen, Delfine, die auf der Bugwelle geritten sind, einen verschwindenden Dugong und einen harmlosen Baby-Riffhai.
Vom Boot aus habe ich mehr Buckelwale gesehen, als ich zählen kann. Aber als ich in den Ozean eintauche, gleitet ein riesiger Walhai auf mich zu. Sein höhlenartiges Maul ist weit geöffnet und filtert Plankton, während sein sieben Meter langer Körper an mir vorüberzieht. Ehrfürchtig betrachte ich seinen muskulösen, gesprenkelten Körper und die elegante Bewegung seiner Schwanzflosse.
Wie die anderen Schwimmer bin ich vor Freude ganz aus dem Häuschen, weil ich einem wilden Meeresbewohner so nah bin. Es ist aufregend zu wissen, dass es Orte wie diesen gibt, an denen die Tiere auf ihre eigene Art und Weise interagieren können oder eben auch nicht.
Erneut veröffentlicht von Tourism WA September 2024