Vorgestellt von Carolyn Beasley
Hoch oben auf dem grasbewachsenen Hügel desKings Park (Kaarta Koomba) weht eine leichte Nachmittagsbrise, die vom berauschenden Duft der gerade aufblühenden Boronia-Blüten erfüllt ist.
Wenn sich die Natur während Djeran – der Noongar-Jahreszeit, die von April bis Mai dauert – von den schwülen Sommermonaten erholt, verströmt der Busch rund um Perth (Boorloo) herrliche Düfte. Steven Jacobs, Angehöriger des Volks der Noongar und Inhaber von In Culture Tours, erklärt, dass Boronia heutzutage in Parfüms verwendet wird, diese Idee aber nicht neu ist.
„Vor der Kolonialisierung gab es keine Deodorants. Daher warfen die Frauen Boronia-Blüten in den Fluss und badeten darin, um den Männern zu gefallen“, erzählt Steven. „Diese Pflanze wurde also schon immer als Parfüm genutzt.“
In Culture Tours, Perth
Stevens Touren umfassen den Kings Park, Fremantle (Walyalup) oder das alte Zeremoniengelände bei Point Peron, Rockingham. Bush Tucker und der Besuch kultureller Stätten sind fester Bestandteil jeder Tour, aber Djeran ist ein wahres Fest für die Sinne.
„Man kann den kommenden Regen riechen“, sagt Steven. „Es ist ähnlich wie im Busch, wenn der wunderbare Duft der neuen Pflanzen, die gerade sprießen, überall in der Luft liegt.“
Einige dieser Düfte sind sogar medizinisch nutzbar.
„Wir kochen einheimische Pfefferminzblätter mit etwas Balga-Harz (Grasbaum) und Bienenwachs ein und machen daraus Salbe zum Einreiben“, erklärt er.
Im Gegensatz zu den eher subtilen Düften ist der Wetterwechsel während Djeran unverkennbar.
„Die kühleren Morgenstunden werden von Tau auf dem Gras und sogar auf den Autos begleitet“, so Steven weiter. „Es ist ein großer Unterschied zu den heißen Tagen und Nächten, wenn die Klimaanlage im Dauerbetrieb ist.“
Steven erzählt, dass die Natur sein Volk schon immer ernährt hat und dass während Djeran die Zwiebeln des Rohrkolbens, auch Yanget genannt, am besten schmecken.
In Culture Tours, Perth
„Es gibt auch wilde Kartoffeln, die sogenannten Yamswurzeln“, fährt Steven fort. „Man kann einfach nach diesen kleinen Kartoffeln graben, deren Knollen ähnlich wie eine Weintraube miteinander verbunden sind.“
Im Tierreich ziehen sich während Djeran die Reptilien in den Winterschlaf zurück. Darauf freut sich Steven besonders.
„Als kleiner Junge habe ich es geliebt, mit meinem Großvater im Busch jagen zu gehen“, erzählt er. „Da ich barfuß war, habe ich es genossen, während Djeran frei herumlaufen zu können, ohne Angst vor Schlangen haben zu müssen.“
Justin Martin ist ein Künstler der Whadjuk Noongar und Inhaber von Djurandi Dreaming. Seine Wandertouren führen durch die Rockingham-Region. Dabei erkunden die Teilnehmer bedeutende Seen, Höhlen und Zufluchtsorte und hören authentische Geschichten aus der Traumzeit.
Justin erklärt, dass die Kultur der Ureinwohner auch im Herzen von Perth lebt und atmet. Er führt Besucher u. a. über den Yagan Square, der von der neun Meter hohen Skulptur eines Noongar-Kriegers dominiert wird. Wenn die Gäste Justin auf der Tour Dreaming in the Quay begleiten, erleben sie das Perth CBD aus einer völlig neuen Perspektive. Bei Sonnenuntergang geht es am Elizabeth Quay (Goomup) los. Die Teilnehmer lernen moderne Installationen am Ufer kennen und erfahren mehr über die kulturelle Bedeutung des Swan River (Derbarl Yerrigan).
„In der Regel spreche ich über die Kunstwerke und bringe die Menschen dazu, die Atmosphäre des Quay selbst zu erleben“, sagt Justin. „Es ist ein wichtiger Ort, der von unserem Traumwesen, der Regenbogenschlange, erschaffen wurde.“
Während Djeran kann man sogar in der Stadt Bush Tucker finden, wenn man weiß, wo man suchen muss.
Justin von Djurandi Dreaming, Rockingham
„Es gibt den Saft der Akazien, aber auch einige große Maden oder Larven, die man direkt vom Baum essen kann“, erklärt Justin. „Wer mutig genug ist, kann sie probieren!“
Historisch gesehen ändert sich während Djeran die Ernährung der Noongar entlang des Flusses.
„Wenn der Regen kommt, zieht es uns zu den Wasserwegen“, so Justin. „Traditionell sammeln die Familien Schildkröten, Krustentiere, Enten und Gänse.“
Djeran war für die Ureinwohner auch eine Zeit, in der sie sich auf den bevorstehenden Winter vorbereiteten.
„Sie waren unterwegs, um Kängurus und Opossums wegen ihrer Felle zu fangen“, fährt Justin fort. Er fügt hinzu, dass dies auch eine wichtige Zeit für die Herstellung von Werkzeugen ist. „Es gibt zum Beispiel fünf unterschiedliche Bumerangs für die Jagd auf verschiedene Wasservogelarten. Sie werden vor dem Winter hergestellt.“
Während Djeran kann man den Busch riechen, den Regen spüren und die Frösche hören. Der größte Sinnesreiz ist jedoch visuell und zeigt sich in der Farbe Grün.
Djurandi Dreaming, Rockingham
„Das ist die Zeit, in der die neuen Pflanzen austreiben“, erklärt Steven. „Es ist auch die Zeit des „Cultural Burning“, des kontrollierten Feuers, wenn schon etwas Grün sprießt.“
Justin stimmt zu und ergänzt, dass die Farbe Grün für ihn das unverkennbare Merkmal von Djeran ist.
„Pflanzenwachstum lässt sich wissenschaftlich durch Photosynthese erklären. Aber wenn alles grün ist, ist es einfach nur eine unbeschreibliche Pracht für die Augen“, sagt er. „Es ist ein überwältigendes Farberlebnis.“
Veröffentlicht im März 2024.