Vorgestellt von Carolyn Beasley


In der Südwestregion Harvey, anderthalb Autostunden südlich von Perth (Boorloo), kündigt sich die Jahreszeit „Djilba“ mit Blumen an. Für Brad Vitale, einen Mann vom Volk der Bindjareb Noongar, ist Djilba wie eine Liebeserklärung.


„Für mich persönlich ist die Blüte des Wonil, des hängenden Pfefferminzbaums, von großer Bedeutung“, erklärt Brad. „Er ist so etwas wie mein Totem.“


Brad (rechts) von Boola Bidi Dreaming, Harvery

Brad (rechts) von Boola Bidi Dreaming, Harvey Region


Brad vergleicht das Totemsystem mit den Ministerien der australischen Bundesstaaten.

„Im Totemsystem wäre ich das Ministerium für Pfefferminzbäume“, sagt er. „Wenn ich also sehe, wie der Wonil während Djilba mit weißen Blüten bedeckt ist und gedeiht, dann erinnert mich das an meine Verbundenheit mit dem Land. Das ist etwas ganz Besonderes für mich.“

Brad ist Programmmanager und Moderator bei Boola Bidi Dreaming, der Tourismusmarke der Harvey Aboriginal Corporation. Das Unternehmen bietet kulturelle Touren und maßgeschneiderte Aktivitäten an.

Laut Brad fällt Djilba normalerweise in die Monate August und September und markiert das Ende der feuchtesten und kältesten Periode namens Makuru.

„Djilba ist traditionell eine Übergangszeit im Jahr, in der wir jede Art von Wetter erleben“, so Brad weiter. „Wir haben einige wärmere, regnerische und windige Tage. Und wenn wir viel Glück haben, gibt es ab und zu auch mal einen sonnigen Tag.“

Während Djilba bereitet sich die Natur auf den Frühling vor. Brad zufolge lernen in dieser Zeit viele Jungvögel von ihren Eltern, zu jagen, Futter zu suchen und sich vor Fressfeinden zu schützen.

„Auf unseren Wanderungen machen wir gern Witze. Die Vogelstimmen klingen immer so nett und harmlos“, sagt Brad mit einem Lachen. „Aber wir müssen immer vor den Koorlbardies, den Elstern oder den Djiti Djiti, den Bachstelzen, auf der Hut sein, denn sie haben einen ausgeprägten Beschützerinstinkt, wenn es um ihre Nester geht.“

Boola Bidi Dreaming bietet zwei buchbare Wanderungen an und Djilba ist der ideale Zeitpunkt für beide.


Gibbs Pool und Harvey Dam von Sean Scott

Gibbs Pool und Harvey Dam von Sean Scott


„Bei Noongar Kaatdjin Bidi (Noongar-Wissenspfad-Tour) geht es am Fluss entlang. Dort sieht man all die Wonil, die Pfefferminzbäume“, sagt Brad. „Unterwegs sprechen wir über ihre Verwendung als Medizin. Sie wirken entzündungshemmend, antiseptisch und auch entspannend.“

Gegen Ende von Djilba ist unsere „Wildflower Ridge“-Wanderung besonders beeindruckend, denn dann beginnt die Wildblumensaison“, fährt Brad fort. „Überall blüht es in kräftigen Gelb- und leuchtenden Blautönen. Und dazwischen strahlendes Weiß. Der gesamte Bergrücken, von dem aus man in ein Tal und auf ein Gewässer blickt, ist geradezu übersät mit bunten Wildblumen.“

Auf beiden Touren erklären die Guides, wie das Volk der Bindjareb das Land zu jeder Jahreszeit genutzt hat: Während des kältesten und feuchtesten Wetters zogen sich die Menschen weiter ins Landesinnere in den Schutz der Darling Range oder Scarp zurück. In den wärmeren Monaten wanderten sie an die Küste mit ihrer kühlenden Brise.


Brad Vitale auf Tour, Boola Bidi Dreaming Harvey

Brad Vitale bei einer Tour, Boola Bidi Dreaming, Harvey Region


Die Harvey Region war reich an Ressourcen. Während Djilba ernährten sich die Menschen von Weidetieren wie Yonga (Känguru), Weitj (Emu) oder Koomal (Opossum). Gegen Ende der Jahreszeit fiel die Nahrung allerdings magerer aus.

Die reichen und vielfältigen Ressourcen machten die Gegend zu einem wichtigen Handelszentrum. Gruppen aus so weit entfernten Orten wie Albany (Kinjarling), Wagin und Gascoyne Junction besuchten das Bindjareb.

Balga, oder Grasbäume, gibt es hier in Hülle und Fülle. Sie wurden wegen ihrer Eignung zur Herstellung von Feuerwerkzeugen sehr geschätzt.

„Der Blütenstiel des Balga dient als Grundstock und ein kleineres Stengelstück ist das Reibholz“, erklärt Brad. „Außerdem lässt sich aus Balga-Harz, das man mit ein paar anderen Zutaten mischt, ein unglaublich starker natürlicher Klebstoff herstellen.“ Dieser Superkleber eignete sich hervorragend für das harte einheimische Jarrah-, Marri- und Wandoo-Holz. Die Speere, Äxte, Schilde und Tragegefäße der Bindjareb waren dadurch sehr robust und begehrt.

Brad zufolge profitierten die Bindjareb nicht nur von den natürlichen Ressourcen, sondern auch von der besonderen Landschaft ihrer Heimat.

„Man hat hier die Darling Scarp, die im Winter Schutz bietet, dazu den Fluss mit seinem Süßwasser und den vielen heilenden Elementen“, erklärt Brad. „Dann ist da der Ozean mit seiner Küste, die viele Pflanzen und Tiere beherbergt und in den Sommermonaten ein kühles Plätzchen bietet. Es gibt also diese Fülle an natürlichen Ressourcen: Nahrung, Wasser, Schutz, Feuerwerkzeuge und Medizin zu jeder Jahreszeit. Das hat die Gegend für die Menschen sehr attraktiv gemacht, sodass es häufig zu Streitigkeiten zwischen verschiedenen Stammesgruppen kam.“


Artefakt-Workshop von Boola Bidi Dreaming, Harvey

Artefact Workshop von Boola Bidi Dreaming, Harvey Region


Obwohl diese Region das ganze Jahr über herrlich ist, ist laut Brad Djilba die beste Zeit für einen Besuch.

„Djilba ist wahrscheinlich die einzige Jahreszeit, in der man die ganze Strecke vom Meer bis zur Scarp bequem am Fluss entlang erleben kann, mit all den verschiedenen Tieren und Pflanzen“, fährt Brad fort. „Während Djilba zeigt sich wirklich alles.“


Veröffentlicht im Juli 2024.