Monsunregen erweckt ausgetrocknete Wasserfälle und trockene Ebenen wieder zum Leben; das Land und seine Seele erwachen.


Vorgestellt von Carolyn Beasley


Im Nordwesten glühen die bienenstockförmigen Kuppeln der Bungle Bungle Range im Purnululu National Park in der Sonne des heißen Sommers. Staubige Bachbetten und ausgetrocknete Wasserlöcher warten auf den Regen. In der runden Höhle des Cathedral Gorge können Besucher hoch oben fleckige Felswände bestaunen sowie einen mittlerweile ausgetrockneten Wasserfall und an seinem Fuß ein kleines spiegelglattes Becken. Über Jahrtausende wurde dieses Amphitheater von den schäumenden Wassern in der Regenzeit geformt. Bald öffnet der Himmel erneut seine Schleusen und der sinnflutartige Monsunregen wird herunterprasseln. Der Wasserfall wird donnernd zum Leben erwachen und Nebelsäulen werden Richtung Himmel aufsteigen. Im Nordwesten und Umgebung wird die Landschaft vom Wasser wieder zum Leben erweckt und erneuert so die Verbundenheit mit dem Land.

In Purnululu ist der Monsun ein Lebenselixier. Er füllt die Grundwasserspeicher für die Livistona-Palmen auf und durchtränkt den Sandboden für die unzähligen Wildblumen wie Goldakazien, rot blühende Grevilleas und die pinken Blütenmeere der Bachelors Buttons.

Um den Rhythmus des Lebens in Purnululu zu verstehen, sollten Besucher eine Tour bei Kingfisher Tours Garingbaar buchen und per Flugzeug oder Auto mit einem Aboriginal Guide diese aufregende Region in East Kimberley erkunden. Uralte Geschichten und eine Landschaft wie aus einer anderen Welt erzeugen ein intensives Gefühl für diesen Ort und die Verbundenheit zu diesem spirituellen Land.


Cathedral Gorge, Purnululu National Park

Cathedral Gorge, Purnululu National Park


El Questro Wilderness Park liegt etwas über eine Autostunde von Kununurra (Goonoonoorrang) entfernt. Hier lassen sich ganz besondere felsige Abgründe bestaunen. Der Wasserfall am Emma Gorge ist in der Trockenzeit nur ein kleines Rinnsal. In der Regenzeit aber verwandelt er sich zu einem tosenden Sturzbach, der die Becken am Fuß des Wasserfalls füllt und Wasserwege bildet, die den Lebensraum der Frösche, Vögel, Echsen und Fische versorgen.

Der Traumreisende Tremane Baxter-Edwards aus Westaustralien ist ein junger Ngarinyin-Walmajarri, der als einheimischer Reiseleiter in El Questro arbeitet. Er erläutert, wie Kultur und Landschaft miteinander verflochten sind.

„Wenn wir mit dem Land sprechen, richten wir uns nicht nur an den Boden“, beginnt er. „Wir wenden uns auch an das Wasser, die großen wunderschönen Schluchten und wir sprechen auch mit dem Himmel und unseren Pflanzen und Tieren. Wenn ich beim Gehen in meiner Sprache flüstere, spreche ich zu meinen Vorfahren. Sie sind immer hier bei uns.“


Kingfisher Tours, Mitchell Falls in der East Kimberley

Kingfisher Tours, Mitchell Falls in East Kimberley


Diese Verbundenheit spüren Besucher an den entlegenen Mitchell Falls oder Punamii-Uunpuu, wie die Wunambal Gaambera sie nennen. Aviair bietet Flüge an, die auch eine geführte Tour und eine kleine Wanderung von einem halben Kilometer zu den Wasserfällen auf vier Ebenen umfassen. Am Weg gibt es eine Abzweigung, die durch einen steinigen Tunnel führt. An dessen Ende stehen die Besucher hinter dem Wasservorhang der Little Mertens Falls. Die Wände dieses natürlichen Amphitheaters sind mit uralten Felsmalereien wie skurrilen Geistern, die Gwion Gwion, und Abbildungen von Nahrungsmitteln wie australische Flusskrebse und Aale bedeckt. Diese hinter einem Wasserfall versteckten Malereien sind 20 bis 30.000 Jahre alt, da bekommt manch einer Gänsehaut.

Der Fitzroy River schlängelt sich durch die Kimberly Region und ist das größte Flussnetz Westaustraliens. Hier beginnen die Barramundi am Anfang der Regenzeit in den salzigen Flussmündungen zu laichen. Nach dem Schlüpfen schlängeln sich die Jungtiere zurück stromaufwärts, um im Frischwasser heranzuwachsen.

Der Regen bringt auch neuen Schwung in die Vogelwelt, indem beispielsweise die Grassamen, ein wichtiges Nahrungsmittel der knallbunten Gouldamadine, wieder wachsen und gedeihen. Auch Wellensittiche fühlen sich im wassergetränkten Land wohl. Manchmal bilden sie Schwärme mit Tausenden von Vögeln, die als große Einheit wild und trotzdem geordnet umherfliegen.


Luftaufnahme des Lake Argyle in der Nähe von Kununurra mit Aviair

Luftaufnahme des Lake Argyle in der Nähe von Kununurra mit Aviair


Weiter südlich in Pilbara verwandeln sich die roten eisenhaltigen Schluchten im Karijini National Park durch den Regen zu reißenden Strömen. Im als UNESCO-Welterbestätte aufgeführten Murujuga National Park in der Nähe von Karratha wäscht das Wasser den Staub von den uralten Felsritzungen der Ureinwohner. Noch weiter südlich stehen die berühmten Wildblumen Westaustraliens nach dem ausgiebigen Winterregen in voller Blüte. Im Coalseam Conservation Park gibt es riesige Flächen mit Strohblumen, so weit das Auge reicht, sowie die Orchideen der Stirling Ranges und viele mehr.

Das Frischwasser sorgt für neues Leben an Land. An der Küste hingegen bestimmt Salzwasser das Leben. Dies gilt besonders im Nordwesten, wo es die größten tropischen Gezeiten der Welt gibt. Das Wasser schlängelt sich bei Ebbe und Flut durch die Inseln und Meerespassagen, aus kleinen Strudeln werden große Wasserwirbel. Rosanna Angus vom Volk der Jawi von Oolin Sunday Island Tours erklärt, wie ihr Volk mit einfachen Flößen auf See fährt und mit dem Meer verbunden ist.


Cygnet Bay Pearl Farm, Dampier Peninsula

Cygnet Bay Pearl Farm, Dampier-Halbinsel


Bei einer Cygnet Bay Pearl Farm Tour besuchen Gäste Waterfall Reef. Hier strömt Wasser aus einer lebenden Korallenformation, wenn das Meer bei Ebbe zurückgeht. Bei einer Tour zum Garaan-ngaddim mit Horizontal Falls Seaplane Adventures von Broome (Rubibi) aus können Teilnehmer die unglaublichen Kräfte des Meeres bewundern, wenn die Wellen mit großem Getöse in die Lücken der Felsenkette schlagen und große weiße Schaumkronen bilden wie in einem reißenden Fluss.

Wer mehr von der Kimberley Küste sehen und mehr darüber erfahren möchte, sollte eine Luxuskreuzfahrt z. B. bei Kimberley Quest buchen. Bei Landgängen betreten die Gäste Höhlen mit uralten Felsmalereien und tauchen ein in die jahrtausendalte Verbundenheit zwischen Mensch, Land und Meer. Der Ruf des Landes ist bei Ebbe und Flut und dem jährlichen Anschwellen der Flüsse zu tosenden Strömen einfach nicht zu überhören.


Veröffentlicht im Februar 2026.