Beitrag von Fleur Bainger
Walhaie werden von einem Ort in Australien magisch angezogen, dem Ningaloo Reef. Und das ist nur eine von Hunderten von Tierarten, die man in den türkisfarbenen Gewässern oder auf den roten Gebirgszügen gut beobachten kann.
Der Ozean hat hier angenehme 23° Celsius. Doch das wird Sie sowieso nicht interessieren, denn Ihre ganze Aufmerksamkeit gilt dem riesigen Unterwasserwesen, das gerade auf Sie zu schwimmt. Durch Ihre Schnorchelmaske beobachten Sie den Walhai, der länger als Ihr Auto ist! Der größte Fisch der Welt gleitet mit kaum hörbarem Flossenschlag durchs Wasser. Mit seinem weit geöffneten Maul nimmt er - wie ein riesiger Staubsauger - Plankton auf. Seine gemusterte Haut mit den weißen Punkten und grauen Linien schimmert durch das einfallende Sonnenlicht.

Einer der Big 3 von Ningaloo, der sanfte Walhai
Wildnis-Abenteuer im Doppelpack
Kein noch so schönes Foto kommt dem nahe, was Sie an Tierwelt in Westaustralien aus nächster Nähe zu sehen bekommen: ein Walhai, der nur drei Meter von Ihnen entfernt vorbeigleitet. Ein Wallaby, das durch die Felsen der Schlucht gut getarnt ist. Ein stacheliger Ameisenigel, der im Gebüsch nach Nahrung sucht. Und ein Emu, der den Verkehr aufhält, weil er die Straße überqueren möchte. All das bekommen Sie während einer Safari im zum UNESCO-Weltnaturerbe gehörenden Ningaloo Marine Park im tierreichen Westaustralien zu Gesicht. Darüber hinaus können Sie „tanzende“ Mantarochen, gefährdete Schildkröten und wandernde Wale entdecken. Ganz zu schweigen von den 500 Fischarten, die zwischen 300 Korallenarten leben.
Eine Safari in Ningaloo ist nicht mit anderen Entdeckungstouren vergleichbar. Hier trifft das Outback auf den Ozean, was ein Abenteuer im Doppelpack verspricht: zu Wasser und an Land. Ein unvergessliches Erlebnis! Begegnungen mit Wildtieren stehen hier verlässlich auf der Tagesordnung. Bei den geführten Touren wird die ökologische Verantwortung großgeschrieben. Eine Mischung aus Selbsterkundung und lehrreichen Führungen ist der beste Weg, um verschiedene australische Tiere zu spotten.

Echidna im Cape-Range-Nationalpark
Begegnungen mit den Meerestieren
Jedes Jahr kommen zahlreiche Tierfreunde nach Westaustralien, um die „Big 3“ zu sehen und mit ihnen zu schwimmen: Walhaie, Buckelwale und Mantarochen. Diese faszinierenden Tiere halten sich in tiefen Gewässern auf. Tagesausflüge (sowie einige mehrtägige Kreuzfahrten) starten von den beiden Städten Exmouth und Coral Bay aus. Die als umweltfreundlich zertifizierten Schiffe setzen Spotter-Flugzeuge ein, um die Meerestiere zu orten. Dadurch erhöht sich die Zahl der Begegnungen, und es müssen weniger Seemeilen zurückgelegt werden. Während der Fahrt werden Sie von den Reiseleitern über die ökologisch nachhaltigen Interaktionen in Ningaloo aufgeklärt.
Mit den Walhaien dürfen maximal 10 Besucher schwimmen. Sie müssen 3 bis 4 Meter Abstand halten und neben oder hinter den Tieren schwimmen. Zu Buckelwalen muss ein Abstand von 30 Metern eingehalten werden, und es dürfen nur 5 Interessierte ins Wasser. Mantarochen, die im Gegensatz zu Stechrochen keinen Giftstachel haben und kleiner sind (aber trotzdem über eine Spannweite von bis zu 4 Metern verfügen), kann man aus nächster Nähe betrachten. Diese anmutigen, sehr beweglichen Tiere schwimmen oft in großen Kreisen um die Taucher herum. Es versteht sich von selbst, dass man sie nicht anfassen darf.

Taucher mit Mantarochen im Ningaloo Marine Park
Große und kleine Kreaturen
Ningaloo ist der einzige Ort in Australien, an dem man mit Walhaien schwimmen kann. An den meisten Hochseesafaris können nur 20 Gäste teilnehmen, manchmal sogar nur 10. Dadurch wird sowohl die Qualität als auch die Quantität der Interaktionen gewährleistet. Fast alle Safari-Guides übertragen ihre Bilder und Walhai-Beobachtungen an lokale Forscher und Universitäten. Und die Experten lieben es, ihr Wissen über die Natur von Ningaloo mit den Besuchern zu teilen und ihnen beizubringen, wie sie einzelne Tiere identifizieren und sich an Forschungsprojekten beteiligen können. Die Fotografen an Bord geben auch gerne Tipps für Unterwasser-Aufnahmen. Das Abenteuer ist damit über Wasser genauso spannend wie unter Wasser.
Über die Wanderungen der vom Aussterben bedrohten Walhaie ist zwar nur wenig bekannt, sie halten sich jedoch jedes Jahr von April bis Juli zuverlässig in Ningaloo auf. Von Juli bis Oktober ziehen Buckelwale durch (oft in Begleitung von Orcas und anderen Walen), während Mantas das ganze Jahr über in der Coral Bay oder zwischen Juni und Oktober von Exmouth aus beobachtet werden können. Doch wie das mit der Natur so ist - eine Sichtung kann nie garantiert werden. Die Tiere erscheinen jedoch mit einer solchen Zuverlässigkeit, dass die meisten Bootsbetreiber eine kostenlose Wiederholungstour anbieten, wenn Sie keinen Ozeanriesen zu Gesicht bekommen.
Ins Ningaloo Reef kann man vom Strand aus hineinwaten. So lassen sich auch auf eigene Faust kleinere Meereslebewesen beim Schnorcheln entdecken. In der Turquoise Bay südlich von Exmouth können Sie sich mit der sanften Strömung ganz entspannt über farbenfrohe Korallen und tropische Fische treiben lassen, während in der Schutzzone der Oyster Stacks häufig Schildkröten gesichtet werden. In der Coral Bay gibt es mehrere große Korallenriffe, in denen sich bunte Fische tummeln.

Safari an Land oder unter Wasser von Sal Salis bei Exmouth
Safari an Land
Da Ningaloo das längste – und am besten zugängliche – Saumriff der Welt beherbergt, steht hier natürlich die Unterwasserwelt im Mittelpunkt. Doch nur einige Meter vom glasklaren Wasser und den Sandstränden entfernt leben faszinierende Landtiere, die Sie im niedrigen Gebüsch, in den Schluchten und in den Höhlen des Cape Range National Parks erspähen können. Die zerklüfteten, roten Gebirgszüge sind die Heimat der Fels-Wallabys, die sich so geschickt ihrer Umgebung anpassen, dass sie auf den ersten Blick nicht zu sehen sind. Möglicherweise entdecken Sie eines während einer frühmorgendlichen Wanderung oder einer langsamen Fahrt auf dem Yardie Creek, einem Wasserlauf, der sanft zwischen gesprenkelten, rostroten Felsen hindurchfließt. Halten Sie auch nach Fischadlern, Reihern und Honigfressern Ausschau.
In Exmouth behindern Emus regelmäßig den Verkehr. Die großen, flugunfähigen Vögel haben auf der Straße Vorfahrt – ein Privileg, das sie anscheinend gerne in Anspruch nehmen. Andere rennen lieber durch die Gräser der Küstenebenen vom Cape Range National Park.

Emu im Cape Range National Park
Echidnas bekommt man am ehesten zu Gesicht, wenn sie am Straßenrand Ameisen erschnüffeln. Nähern Sie sich den Tieren behutsam, damit sie sich nicht zusammenrollen oder zum Schutz in die Erde eingraben. Auf einer Ningaloo-Safari kann man gefahrlos aus dem Auto aussteigen, um diese wilden Tiere zu beobachten. Es ist jedoch ratsam, während der Entdeckungstour geschlossene Schuhe zu tragen, um sich vor Insekten und Reptilien zu schützen.
Kurzinformationen
Anreise: Fliegen Sie von Perth aus in 2 Stunden zum Flughafen Learmonth. Alternativ können Sie mit dem Auto 1.122 Kilometer nach Coral Bay oder 1.249 Kilometer nach Exmouth fahren – der Coral Coast Highway bietet einen der schönsten Roadtrips der Welt.
Beste Reisezeit: April bis Oktober. Dann sind besonders viele Wildtiere zu sehen, und die durchschnittlichen Tagestemperaturen liegen zwischen 24 und 33° Celsius.
Unterkunft: Es gibt nur 16 solarbetriebene Safarizelte in Sal Salis, einem einsamen Öko-Retreat in den Sanddünen am Ningaloo Reef. In dieser privaten, exklusiven und sehr nachhaltigen Unterkunft sind die Betten mit Bio-Baumwolle bezogen, die Bäder mit chemiefreien Bio-Produkten ausgestattet, und die Duschen werden mit 20 Litern Wasser pro Tag betrieben. Es gibt keinen Handyempfang, damit die Natur ungestört bleibt. Fünf Prozent des Umsatzes fließen in den Schutz des umliegenden Cape Range National Parks. In Exmouth gibt es mehrere Hotels, darunter auch das Mantarays Ningaloo Beach Resort. In Coral Bay dagegen finden Sie weniger und etwas einfachere Unterkünfte. Ein Highlight jedoch ist das Ningaloo Reef Resort.
Alternativ gibt es entlang der Ningaloo-Küste eine Reihe schlichter Busch-Campingplätze. Hier müssen Sie alles selbst mitbringen, auch das Trinkwasser. Es gibt dort lediglich Toiletten ohne Wasserspülung und auch keine Duschmöglichkeiten.

Schnorcheln mit Schildkröten nur wenige Meter vom Ufer entfernt in der Turquoise Bay
Veröffentlicht im September 2021.